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Aneinander vorbei oder ‚Schnitt!’

Party im Kerker der Slytherins.

Wirklich jeder war da und es herrschte eine super Stimmung. Die Rivalitäten zwischen den Häusern waren vergessen und alle kamen gut miteinander aus.

In einer Ecke saß sogar eine Dreiergruppe, die sich in dieser Konstellation wohl keiner hatte vorstellen können: Dass Draco Malfoy und sein Freund Blaise Zabini irgendwo zusammen auftauchten, war schon Gang und Gebe, aber dass Draco sich tatsächlich angeregt mit Harry Potter unterhielt, war den meisten doch ziemlich suspekt.

Doch es schien vorzüglich zu klappen. Die beiden lachten viel und stellten erstaunt fest, dass sie eigentlich ziemlich viele Gemeinsamkeiten hatten. Zum Beispiel waren sie beide in ihre Rollen in der Welt hineingezwängt worden ohne dass jemand sie nach ihren Wünschen gefragt hätte. Außerdem fragten sie sich beide, ob Professor Trelawney nicht doch eigentlich eine Riesenlibelle sei.

Aber Blaise fühlte sich ignoriert und wie das fünfte Rad am Wagen. Also beschloss er sich wenigsten fünf Minuten Auszeit von dieser „Harmonie“ zu nehmen, hauchte Draco einen Kuss auf den blonden Haarschopf und meinte, er wolle sich noch etwas zu trinken holen.

Weder Draco noch Harry bemerkten ihn richtig, sie waren viel zu sehr miteinander beschäftigt.

Schon den ganzen Abend über hatte Draco das Gefühl, Harry pausenlos ansehen zu müssen. Wie er so da saß, im kurzärmligen, grünen Hemd zur schwarzen Stoffhose, mit den verwegen und irgendwie niedlich in alle Richtungen abstehenden, rabenschwarzen Haaren und den fröhlich blitzenden, smaragdgrünen Augen, denen man jede Empfindung sofort ansah. Und im Moment war ihr Blick einfach umwerfend.

Überhaupt war vieles an Harry umwerfend: Wie er sich mit einer Art angeborener Grazie bewegte, wie er lachte, sein unbeschreiblich exotischer, würzig-süßer Duft, der Draco auch jetzt wieder in die Nase stieg... es machte ihn fast wahnsinnig!

Auch Harry erging es nicht besser. Er hatte sich schon längst in Dracos sturmgrauen Augen verloren, war fasziniert von der Art, wie ihm seine seidigen, blonden Haare ins Gesicht fielen, wie er lächelte, was jedes Mal einen Schauder durch Harrys Innerstes jagte, wie seine vollen Lippen die Worte formten und in die Welt entließen... einfach himmlisch!

„Du hast wunderschöne Augen.“ War er besoffen oder wieso traute Draco sich plötzlich so etwas zu sagen?

Harry begann leise zu kichern. (Er war wohl wirklich betrunken.)

Doch auf einmal schien er vollkommen nüchtern zu sein. „Du auch. Eigentlich ist alles an dir schön“, sagte er anscheinend vollkommen ernst.

Jetzt musste Draco kichern und wurde ziemlich rot um die Nasenspitze.

So ging es noch eine Weile weiter und die beiden rückten immer enger zueinander.

Sie waren wie im Rausch. Es interessierte schon längst nicht mehr, worüber sie redeten, es war nur wichtig, die Stimme des jeweils anderen zu hören und ihn dabei anzusehen.

Wie von einem Magneten angezogen kamen sie sich immer näher...

Sie sahen nur noch einander, die wundervollen Augen des anderen, die Lippen, die ihren eigenen immer näher kamen...

und sie schließlich berührten.

Obwohl es nur ein sehr keuscher und vorsichtiger Kuss war, jagten Blitze durch ihre beiden Körper, ein wahres Heer von Schmetterlingen breitete sich in ihren Bäuchen aus und es war schöner als alles, was Draco mit Blaise je erlebt hatte.

Eben der stand nun geschockt mit einem vollem Glas Bowle in der Hand einige Meter entfernt und sah zu, wie sein Freund einen anderen küsste.

Dann brannte eine Sicherung bei ihm durch: Er machte einige große Schritte und stand nun direkt vor den beiden Küssenden.

„Was soll das werden?“

Erschrocken fuhren die zwei auseinander.

„Wonach sieht es denn aus?“ Draco hatte seine Schlagfertigkeit erstaunlich schnell wiedergefunden.

„Hm... lass mich überlegen... danach, dass du mich betrügst?!“

„Könnte sein!“

„Und glaubst du, dass ich mir das einfach so gefallen lasse?“

„Nicht wirklich, aber was willst du dagegen machen?“

Harry sah erstaunt von einem zum anderen. Was ging denn hier ab? Draco schien es ja geradezu auf die Konfrontation mit Blaise anzulegen!

„Ich könnte mit dir Schluss machen!“

„Tu, was du nicht lassen kannst!“

Das brachte Blaise nun doch aus dem Konzept.

„Wie bitte? Ist dir das etwa völlig egal?“

„Nein. Es ist mir nicht VÖLLIG egal. Nur ziemlich.“

Vollkommen entsetzt starrte Blaise seinen (Ex-?)Freund an.

Dann begann er ihn anzuschreien: „Sag mal, hast du sie noch alle? Was denkst du dummer kleiner Wichser dir eigentlich? Das die ganze Welt dir gehört und du auf die anderen keinerlei Rücksicht nehmen musst? Du beschissener Snob! Weißt du was, du kannst mich mal!“

Mit diesen Worten drehte er sich um und rauschte aus dem Raum.

Noch immer ziemlich erschrocken sah Harry ihm nach. Was war hier gerade passiert?

Doch Dracos Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.

„Wo waren wir stehen geblieben?“

Er zog Harry wieder an sich und küsste ihn erneut. Das vertrieb alle Gedanken aus dessen Kopf und er lies sich einfach in diesen Kuss fallen, es war einfach zu wundervoll.

Sanft streichelte Dracos Hand über Harrys Haare, während er seinen Kopf noch ein bisschen zu sich zog und den Kuss vertiefte.

Sie wussten nicht, wie viel Zeit vergangen war, aber irgendwann lösten sie sich wieder von einander und Draco meinte: „Lass uns ein bisschen raus gehen und frische Luft schnappen.“

Harry war sofort einverstanden und so verließen sie Hand in Hand den Gemeinschaftsraum der Slytherins und machten sich auf den Weg durch das menschenleere Schloss auf die Ländereien.

Dort liefen sie über das feuchte Gras hinunter zum See, wo sie sich unter einem Baum niederließen, Harry ein bisschen an Draco gelehnt.

Sie sprachen die ganze Zeit kein Wort, sie verstanden sich auch so.

Es war eine klare Nacht und man konnte Tausende von Sternen am Himmel erkennen, der Mond spiegelte sich bleich im Seewasser, Glühwürmchen zogen über der Oberfläche ihre Kreise. Kurzum es war einfach romantisch.

Jetzt durchbrach Draco die Stille: „Weißt du was? Du bist echt total süß und ich glaube ich habe mich in dich verliebt!“

„Oh, Draco, mir geht es genau so!“

„SCHNITT!“

Die beiden lösten sich voneinander und hinter der Kamera brach ein wahres Chaos los. Alle wuselten durcheinander und auf die beiden jungen Männer kamen gleich mehrere Visagisten zu, die sich darum zu kümmern hatten, dass die beiden Schauspieler auch wirklich perfekt aussahen.

Hinter erschien der Regisseur Paul Johnsson. Er strahlte.

„Harry, Draco, das habt ihr super gemacht! Man hätte fast glauben können, ihr wärt wirklich ineinander verliebt!“

Die beiden setzten ein gezwungenes Lächeln auf und verabschiedeten sich schnell von ihm. Jeder ging in einer anderen Richtung davon. Bis zur nächsten Szene hatten sie noch etwas Zeit und wollten sich ausruhen.

Harry hockte sich einige Meter entfernt vom größten Getümmel ins Gras und dachte nach.

Was hatte er getan, um das zu verdienen? Seinem Geliebten so nah sein zu dürfen und doch diese schier unüberwindliche Mauer zwischen ihnen zu spüren. Ihn sogar zu küssen und doch zu wissen, dass es für ihn nur ein Job war, dass er nichts für ihn empfand.

Er kam sich grausam bestraft vor, er war doch schon so lange heimlich in Draco verliebt... Und jetzt arbeiteten sie an einer Soap über Hogwarts zusammen, spielten sogar ein Liebespaar, aber er bekam trotzdem keine Gelegenheit dem anderen seine Gefühle zu gestehen. Es war zum Haare ausreißen!

Aber er konnte ja wohl nichts dagegen unternehmen... und würde Draco immer von fern lieben!

Zur gleichen Zeit saß einige hundert Meter weiter ein gewisser Draco Malfoy und fragte sich, was mit seinem Leben so falsch hatte laufen können.

Nicht nur, dass er sich unsterblich in seinen Schulerzfeind verliebt hatte, nein jetzt wurde er auch noch so gequält, er musste mit ihm zusammen arbeiten, ganz eng und dennoch hatte er es bis jetzt noch nicht über sich gebracht, Harry seine Liebe zu gestehen.

Dabei fühlte er sich ihm immer so nah! Und doch so fern, weil er den Abstand zwischen ihnen einfach nicht zu überwinden wagte! Er wollte ihm endlich sagen, dass er der wichtigste Mensch in seinem Leben war, aber er wusste doch, dass er letztendlich nicht den Mut dazu aufbringen würde... Er war zu schwach dazu.

Seufzend blickte er hinauf zu den Sternen. Konnten sie ihm nicht sagen, wie er Harry näher kommen konnte?

Wohl nicht, jedenfalls bekam er keine Eingebung.

Es blieb ihm wohl nichts anderes übrig, als zu akzeptieren, dass er Harry niemals bekommen würde, so schwer es ihm auch fiel.

Aber er würde ihn immer lieben!

In diesem Moment wurden die Schauspieler wieder zum Dreh gerufen.

Seufzend erhoben sich die beiden Liebenden und gingen ihrem Schicksal entgegen: Sich für immer zu lieben – aneinander vorbei.